Färberwaid in DuschSeife

Neben Weld (gelb) und Krapp (rot) war die Färberwaid (blau) DIE zentrale Farbe um in Europa Textilien zu färben.
Das gilt vom 12. bis zum 17. Jahrhundert.

Es gab Städte die nicht nur steinreich durch die Färberwaid wurden, sondern richtiggehend als „WaidStädte“ bezeichnet wurden. In Deutschland waren dies z.B. Erfurt, Gotha und Weimar; in Frankreich waren es Toulouse, Albi und Carcassone, in England galten Lincoln und York als Waidstädte und in Italien war es Florenz, dass im südlichen Europa als Zentrum der Färberwaid galt.

In und um diese Städte wurde Isatis Tinctoria (Färberwaid) angebaut, fermentiert, verarbeitet und gehandelt.

Fermentation

Die frischen Blätter der Färberwaid enthalten noch keinen fertigen, blauen Farbstoff.

Somit mussten die frischen, grünen Blätter geerntet, gestampft und gemahlen werden, so dass eine feuchte, matschige Pflanzenmasse entstand (so werden die Zellen aufgebrochen und die Enzyme aktiviert).

Erste Stufe der Fermentation

Dann wurde die Masse zu faustgrossen Ballen gepresst, gelagert und während einigen Wochen getrocknet.

Zweite Stufe der Fermentation

Die Ballen wurden nochmal zermahlen und mit Wasser und mit alkalischen Stoffen versetzt. Dies konnte Urin (Harnstoff ==> Amoniak), Holz- oder Pflanzenasche sein.
Dann wurde die feuchte Masse ein paar Tage warm und in Bewegung gehalten, um die mikrobielle Fermentation zu erhalten, welche mit Hilfe von Enzymen den Stoff „Indican“ zu „Indigo“ spaltet.
Die blaue Farbe entstand aber erst bei der Oxidation mit Sauerstoff !

Es ist eine sehr aufwändige Geschichte, bis man Indigo aus der Färberwaid in Händen hält…

Und heute ?

Fristet diese vormals wichtige Färberpflanze ein Nischendasein – zumindest in Europa. Es gibt zwar einen Markt für ökologisch gefärbte Textilien aber dieser ist klein.

Wohingegen in China Isatis Tinctoria noch heute in grossem Stil für die chinesische Medizin angebaut wird.

Isatis Tinctoria in DuschSeife

Die Seife „SaatGut“ wird nicht blau.
Leider.
Das wäre ein schöner Nebeneffekt meines Ansinnens.
Dieses besteht nämlich darin den Verbraucher meiner DuschSeife darauf aufmerksam zu machen, alte, rare Saaten anzubauen.

Vielfalt macht widerstandsfähig

Auch wenn viele „alte“ Pflanzen weniger ertragreich als neue Züchtungen sind: sie sind meist optimal an das lokale Klima angepasst. Sie sind oft widerstandsfähiger und zäher als eine Neuzüchtung.

Alte Pflanzengattungen sind aber oft auch Nahrungspflanzen für eine ganze Palette an Kleinstlebewesen.
Ohne diese hat eine ganze Gamma an Insekten keinen Lebensraum mehr und verschwindet von der Bildfläche.

Und wenn die Insekten verschwinden, verschwinden auch die Vögel, da diese ihre Nestlinge nur mit frisch gefangenen Insekten pums-voller frischer Proteine füttern können.

Mit einer so winzigen Sache wie einem Samenkorn können wir viel bewegen und verändern.

Es liegt in unserer Hand.


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